Sauerlandkrimis

Monat: August 2023

Wer hören will, muss fühlen

Dieser Thriller war mein erstes Buch von Andreas Winkelmann und passend zum Thema habe ich ihn als Hörbuch gehört. Es geht um einen Podcast, um Beziehungen, um rätselhafte Morde, eine eigenwillige Kommissarin – die mir sehr gut gefallen hat – und um eine Frau auf der Suche.

Der geheimnisvolle Marc Maria Hagen ist Lifestylecoach und gibt in seinem Podcast Hörgefühlt Ratschläge zu Problemen mit dem Leben und der Liebe. Er ist vor allem bei Frauen beliebt und hat eine gewisse Berühmtheit erlangt. Aber niemand kennt ihn. Er tritt nicht in den sozialen Medien auf und es gibt keine Fotos.

Bald wird eine tote Frau gefunden, die scheinbar Selbstmord begangen hat. Das Merkwürdige: Während sie starb, hat sie den Podcast gehört. Ihre Hände sind blutig, dabei hat sie gar keine blutenden Wunden.

Zu Beginn des Thrillers stoßen die ermittelnde Beamtin Carola Bareis und die Internetreporterin Roja Meier aufeinander. Von Beginn an sind die beiden sich unsymphatisch. Carola ahnt: Roja hat ein Geheimnis und sie hat mit dem Mord zu tun. Roja wiederum hat eine Mission und will sich von der Kommissarin nicht dazwischenfunken lassen.

Meiner Meinung nach ist der Thriller gelungen und durchweg spannend. Allerdings hat der Autor an vielen Stellen für meinen Geschmack zu dick aufgetragen. Reaktionen, Gedanken und Gefühle wurden übertrieben und leicht klischeehaft. Ein bischen weniger wäre hier mehr gewesen.

Passend zur Übertreibung des Autors fand ich auch den Sprecher etwas overdone. Als wollte er mit seiner Stimme künstliche Spannung erzeugen. Aber diese muss aus dem Text kommen. Auch hier wäre weniger mehr gewesen.

Abgesehen von den beiden Kritikpunkten hat mich das Buch gut unterhalten. Die Story war durchdacht und voll überraschender Wendungen.

Ein weiblicher Text

In einem lyrischen Schreibstil, der mich gleich zu Beginn gepackt hat, entwirft die Autorin das Bild einer Frau. Zeit ihres Lebens ist diese auf der Suche nach einer Aufgabe, in die sie abtauchen kann und in der sie untergeht – bis zur Selbstauflösung. Zu Beginn des Buches findet sich die Frau in einer Mutterrolle wieder. Als Hausfrau kämpft sie ununterbrochen gegen das Chaos, gegen Wäscheberge, gegen die täglichen Aufgaben, die sich immer wiederholen. Trotzdem geht die Frau in ihrer Rolle auf, vielleicht zu sehr, vielleicht zu zwanghaft, vielleicht löst sie sich gar in ihr auf. In dem Abarbeiten von Listen findet sie Bestätigung in einem „Job“ der keine Bestätigung bietet.

Diese Frau ist beeindruckt von einem irischen Klagelied aus dem achzehnten Jahrhundert. Die Autorin des Liedes ist Eibhlín Dubh Ní Chonaill, eine irische Adelige, die in der Trauer um ihren verstorbenen Geliebten von seinem Blut trinkt. Ihr Klagelied gehört zum kulturellen Schatz der Iren, trotzdem ist wenig über die Autorin selbst bekannt. Auch sie hat sich aufgelöst in der Geschichte ihrer (männlichen) Vorfahren und Nachkommen.

Die Frau ist fasziniert von den Parallelen zu ihrem eigenen Leben. Sie forscht akribisch zu Eibhlín Dubh Ní Chonaill und verliert sich wieder in dieser Aufgabe, die zur Obsession wird. Die Autorin macht darauf aufmerksam, wie wenige Spuren Frauen in einer von Männern bestimmten Welt hinterlassen.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt.

Die tote Lau

Wellmann ist wieder da!

Der zweite Fall von Kommissar Wellmann, Linda und Korbinian. Wieder ein Mord in Oberschwaben!

Dieses Mal hat es eine Influencerin erwischt. Aber nicht irgendeine. „Die schöne Lau“ ist im Internet eine Berühmtheit. Sie hat ein Hobby, von dem ich noch nichts gehört hatte, aber anscheinend ist es ein Trend: Mermaiding. Man zieht sich einen Fischschwanz an und schwimmt wie eine Meerjungfrau. Dann macht ein Fotograf Bilder. Die postet man im Internet. „Die schöne Lau“ stirbt in einem Schwimmbad in Laupheim. Kommissar Wellmann ist zufällig vor Ort und leistet erste Hilfe. Doch er kann sie nicht mehr retten.

Kurz danach stirbt auch der Notarzt, der das Mädchen untersucht hat. Wellmann und seine Kollegen Linda und Korbinian gehen in beiden Fällen von Mord aus und stürzen sich in die Ermittlungen.

Ich kannte die drei ja schon von dem ersten oberschwabener Krimi „Mord im Dörfle“ und habe mich sehr gefreut, ihnen wiederzubegegnen. Der Fall ist spannend, aber keineswegs zu brutal. Er nimmt einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Die Ermittler geraten an eine geheimnisvolle Anwältin, die mehr zu wissen scheint, als sie zugeben will. Und was hat es mit der Gruppe von Vogelschützern auf sich, die SUVs hassen und mit Farbbeuteln schießen? Ist ihnen für ihren Kreuzzug gegen die schweren Fahrzeuge jedes Mittel recht?

Der Krimi enthält viel Oberschwäbisches, Gebräuche, Sehenswürdigkeiten und Geschwäbele, aber die Krimihandlung kommt nicht zu kurz. Für mich war das Buch wie eine Ausflug zu alten Freunden, die mich ein wenig an ihrer spannenden Ermittlung teilhaben ließen.

Tödliches Silvester

Das Buch von Clare Mackintosh ist Auftakt einer Krimireihe, die an der Englisch-Walisischen Grenze spielt. Es gibt zwei Ermittler. Zum einen den Liverpooler Polizisten Leo. Er ist ein getrennt lebender Vater, der sein Kind nicht sehen darf. Zum anderen die Walisische Kommissarin Ffion, die aus einem kleinen Waliser Dorf kommt und mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester zusammenlebt.

Mich hat das Cover und der Klappentext an Knifes Out erinnert, leider ist das Buch doch nicht wirklich vergleichbar mit dem Film.

Der Krimi beginnt vielversprechend. Der ehemalige Sänger Rhys Lloyd hat auf dem von ihm geerbten Seegrundstück an der Grenze England-Wales ein Luxusressort errichtet und damit die Waliser Dorfbevölkerung gegen sich aufgebracht. An Silvester gibt er eine Party, zu der auch die Dorfbewohner eingeladen sind. Doch am Ende der Nacht ist Rhys tot und es gibt sehr viele Menschen, die ein Motiv hatten, ihn zu töten.

Die Kommissare Leo und Ffion treffen in der Rechtsmedizin aufeinander. Doch sie kennen sich bereits von einem One-Night-Stand. Die Begegnung ist witzig und die Konstellation der beiden Ermittler verspricht Spannung. Leider haben die privaten Probleme von Leo viel Raum – das hat mich nicht sonderlich interessiert.

Auch die Erzählweise des Buches hat mir nicht so gut gefallen. Die Szenen springen immer vor und nach der Silvesternacht hin und her. Dadurch muss der Leser sich immer wieder neu orientieren, was etwas anstrengend ist und den Lesefluss stört. Außerdem wirken die Turns der Handlung dadurch hölzern und konstruiert.

Das Setting und die Charaktere waren eigentlich interessant, aber trotzdem hat mir die Spannung gefehlt.

Sauerlandkrimis

Das sind meine Bücher! Ein Fall für Anne Kirsch Band 1 bis 4. Bald wird es Nachschub geben! Ich starte eine neue Reihe mit Anne Kirsch, in der sie einen festen Partner bekommt. Ihr erster Fall führt sie nach Olsberg zu dem Naturmonument Bruchhauser Steine. Hier bekommt sie es mit einem Serienmörder zu tun. Die Bücher sind jedoch nicht zu brutal und es gibt keine expliziten Gewaltdarstellungen. Und es sterben keine Tiere!

Ende September/Anfang Oktober geht es weiter …

Geniestreich

Jeder kennt die Bücher von Agatha Christie. Doch wer war die Frau eigentlich? Ihre Persönlichkeit und auch der rätselhafte Kappentext haben mich angesprochen und neugierig gemacht. Die berühmte Autorin war elf Tage lang verschwunden und niemand weiß, was in dieser Zeit passiert ist. Rund um dieses Verschwinden hat Marie Benedict ein Buch geschrieben, das ein wenig Portrait, ein wenig Familiengeschichte und ein wenig Krimi ist.

Mich hat dieses Buch, das auf zwei Zeitebenen spielt, von Anfang an gefesselt. Der Leser erlebt mit, wie Agatha sich in den Flieger der königlichen Luftwaffe Archibald Christie verliebt. Wie sie den ersten Weltkrieg erlebt, und wie sie beginnt, ihre Kriminalromane zu schreiben. Im zweiten Handlungsstrang erlebt der Leser die Suche nach der verschwundenen Krimiautorin mit. Er lernt Agatha und Archibald einmal in der Vergangenheit und einmal in der Gegenwart kennen und muss manchmal einen geistigen Spagat hinlegen, um die Figuren zusammenzubringen, die dadurch enorm an Komplexität gewinnen.

Ganz besonders gut hat mir die Charakterzeichnung gefallen. Die Autorin schafft es, die Figuren für den Leser lebendig werden zu lassen. Sie schafft es außerdem, Gefühle nicht zu schildern, sondern den Leser diese erleben zu lassen.

Gleichzeitig wird durch das rätselhafte Verschwinden Spannung aufgebaut.

Ich war restlos begeistert von dem Hörbuch und konnte gar nicht mehr aufhören – im wahrsten Sinnes des Wortes. Ein tolles Werk!